Fragen von der Lehrergüte bis zur Busfahrkarte
Offene Tür und Info-Abend zur Integrierten Gesamtschule im Okeraner Zentrum „Bei der Eiche“ während laufender Elternbefragung
Ungebrochenes Interesse rund um die Gesamtschule: Wollten am Donnerstag (17.09.2009) bei einem „Tag der offenen Tür“ etwa 60, 70 interessierte Eltern und Kinder den geplanten IGS-Standort „Bei der Eiche“ in Oker unter die Lupe nehmen, verdoppelte sich die Zahl glattweg beim anschließenden Info-Abend im Forum des Schulzent,ums.
Zur Zeit läuft die zweite Eltern- Befragung im Kreis Goslar, nachdem sich durch die erste Aktion im September 2008 sowie Beschlüssen in Kreistag und Stadtrat als einzige Option eine als Ganztagsschule geführte Integrierte Gesamtschule (IGS) am Standort Goslar herausgebildet hatte. Fachbereichsleiter Burkhard Siebert vom potenziellen Schulträger Stadt Goslar begründete die neue Befragung mit veränderten Rahmenbedingungen, etwa der Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren auch an der lGS.
Kein Hochrechnen
Kreisrat Hans-Rudolf Segger berichtete von „kuriosen Erfahrungen bei der ersten Befragung, die noch der Kreis durchgeführt hatte. Er meinte damit, dass die Landesschulbehörde nicht zuließ, das Verhalten von rund 50 Prozent nicht antwortenden Eltern auf den konkreten Bedarf hochzurechnen. Segger: „Das Prinzip der schweigenden Mehrheit funktioniert also nicht. Wer den Ausgang beeinflussen will, - muss an der Befragung teilnehmen.“
Segger betonte auf Fragen aus dem Publikum, dass ein ‚ja“ im Fragebogen noch keine verbindliche Anmeldung für die IGS darstelle. Zunächst müssten bei geforderter Fünfzügigkeit zu Beginn mindestens 130 positive Voten erfolgen, damit ein Antrag bei der Schulbehörde gestellt werden kann. Dass diese Zahl dann bei den tatsächlichen Anmeldungen unterschritten werden könnte, hielt der Kreisrat für „theoretisch interessant, aber praxisfern“.
„Lernen ohne Angst“
Zuvor hatte Susanne Pavlidis, Leiterin der IGS Peine, die auf Goslar weitgehend übertragbaren Wesensmerkmale ihrer Einrichtung dargestellt, die mit gymnasialer Oberstufe und als Ganztagsschule geführt wird und in der die Schüler in stabilen Klassenverbänden bis Jahrgang 9 oder 10 durch zwei Tutoren und ein Lehrerteam unterrichtet werden. Kein Sitzenbleiben, keine Abstufung in eine andere Schule und erst spät ab Klasse 8 Zensuren skizzierte Pavlidis ergänzend für ein „Lernen ohne Angst in einer Schule mit allen Bildungsgängen“.
Die Fragen der Besucher reichten von skeptischen nach der Qualifikation der Lehrer über pragmatische nach der Geltung einer Buskarte bis hin zu offener Ablehnung. Realschullehrer der Okeraner André-Mouton-Schule, die bei einer IGS sukzessive auslaufen soll, warnten vor der Anonymität einer großen Einrichtung, nicht ausreichendem Platz und erklärten ansonsten, die geschilderten Vorzüge der IGS auch selbst in ihrem gegliederten System zu gewährleisten. Kommentar aus den hinteren Reihen. „Wir sind doch hier nicht auf einer Erhaltungs-Kundgebung.“
GZ-Bericht vom 19. September 2009